Fußstapfen neben mir

Erst lebt man nur in der Nähe von Hunden, irgendwann entschließt man sich vielleicht, selbst zu dieser Seite zu gehören und lässt einen Hund bei sich einziehen. Anfangs war es nur eine Liebelei und recht trockene Entscheidung, aber es entwickelte sich und wurde zu etwas anderem über die Jahre.

Man startet mit irrsinnigen Vorstellungen, was man alles machen möchte, was man machen könnte, man hat Bilder des Alltags im Kopf. Das Ganze gilt solange, bis der Hund letzten Endes einzieht. Über die Jahre habe ich einige Unterscheidungsmerkmale gefunden. Dazu gehört, dass wenn der erste Pfoten Abdruck auf den gerade frisch saubergemachten Fliesen erscheint sich die eine Seite zähneknirschend dem Lappen zuwendet und sich die andere Seite fragt, ob es das wohl auch als Aufkleber fürs Auto gibt.

Ein Hund ist weit mehr als ein Hobby, weit mehr als eine simple Überlegung zur Anschaffung. Ein Hund ist vielmehr ein vollwertiges Familienmitglied. Während die Alteingesessenen kopfschüttelnd bei solchen Aussagen dasitzen und von „Kinder-Ersatz“ sprechen, ist die andere Seite ein wenig zu sehr ambitioniert die Rechte des Lebewesens zu verteidigen. Ich stand immer irgendwie dazwischen. Ich verstehe die alten Ansätze, ich begreife wo sie herkommen und wie es dazu kam. Ich war allerdings auch dabei, wie die neuen Ansätze entstanden und wie Wissenschaftler die das herausfanden, fehlgedeutet wurden. Die ständig wachsende Bedeutsamkeit wurde genutzt um Multimedial den Profit zu steigern. Einerseits ist es positiv, dass die Wissenschaft nun mehr Geld in die Hand bekam um zu forschen, andererseits stehe ich auf Hundemessen und frage mich, wofür das alles ist. Geht es dabei noch um den Hund?

Unglaubliche Reiseführer durch das Bewusstsein des Tieres entstanden, ganze Berufsgruppen wurden aus dem Boden gestampft ohne auch nur den Ansatz von Inhalt zu besitzen. Pädagogen und Psychologen für Tiere und Menschen kamen und erklärten die Welt. Auf Hundeplätzen entstand eine Kultur des Austausches, in Vereinen war das uralte Wissen plötzlich wieder gefragt, zwar nur wenn es an die heutige Zeit angepasst wurde, aber die Nachfrage wuchs. Die Zeit die Menschen auf dem Gelände verbrachten stieg teilweise stetig an. Aber ging es dabei noch um den Hund?

Im Fernsehen gab und gibt es Shows die erklären wie man Hunde erzieht und wie man sie behandelt. Die besten Sportarten werden vorgestellt und wie wir uns als Mensch zu verhalten haben. Stellt man sich allerdings vor, wie individualistisch wir als Menschen schon sind und wie unterschiedlich die Herkunft der Hunde ist, so wundert es mich doch, wie wenig von dem Individuum Hund gesprochen wird. Ist doch nicht jeder Hund individuell?

Kamen diese Änderungen zu schnell? Will man die Ziele zu schnell erreichen? Wie kann ein Trainer beim Hundesport erklären wie man einem Hund diesen Sport beibringt, ohne auf den jeweiligen Hund einzugehen? Wie kann man alle Hunde gleich erziehen, wo doch alle so unterschiedlich sind?

Seit Anfang an hörten wir Dinge wie: Eine Hündin hebt nicht das Bein, markiert nicht wie ein Rüde. Als unsere Älteste das erste mal dann das Bein hob, fragte ich mich, warum eine Hündin das eigentlich nicht machen sollte. Fragen danach wecken nicht etwa die Neugier, es wird abgewunken, runtergespielt, als Verhaltensauffällig abgetan und weiter an der These festgehalten. Als unsere zweite Hündin dann damit anfing, fragte ich nicht mehr, denn diese hätte das sicherlich nicht getan, wenn nicht die erste Hündin… Argumentationen stecken doch sehr oft in sich selbst fest.

Ein Hund ist hier in unserem Haushalt ein vollwertiges Mitglied mit Regeln, Pflichten und Rechten. Besuch hat sich darauf einzustellen, denn wir sperren unsere Hunde nicht weg. Unsere Hunde dürfen aufs Sofa, sie haben ein eigenes und nutzen unseres. Hier haben Bezüge Flecken und es wehen auch etliche Hundehaare durch die Gegend. Durch die drei Hunde haben wir auch mehr Staub, den es zu bekämpfen gilt und es ist völlig normal, wenn man irgendwo sitzt und liest eine Hundeschnauze auf den Beinen zu haben. Sie gehören zur Familie, sind Teil davon und haben diese Rechte immer. Wir fahren nicht ohne sie in den Urlaub, wir geben sie wenn möglich nicht einfach zu Anderen nur um Orte besuchen zu können. Wir passen unsere Wünsche an, damit es mit den Hunden umgesetzt werden kann. Wir tragen die Verantwortung für diese Tiere und ich kann nicht kompromisslos mein Leben weiterführen. Natürlich muss der Hund vielleicht mal von Anderen versorgt werden, weil einer Arbeitet und der Andere vielleicht im Krankenhaus liegt. Aber abgesehen von Ausnahmen ist es doch eher so, als ob einige verdrängen, dass Hunde ihr Leben nach uns ausrichten. Während wir also die Hunde abgeben und in den Urlaub fliegen, bleiben die Hunde zurück, sie begreifen nicht warum sie verlassen wurden, sie verstehen nicht, dass dies nicht endgültig ist. Ihre Welt bricht zusammen. Auch wenn die Menschen dann nach 2 Wochen wiederkommen, werden die Hunde gemäßigt: „Spiel doch nicht so verrückt, wir waren doch nur 2 Wochen weg!“ All zu oft wird versucht durch menschliches Denken, Hundeverhalten zu erklären.

Und dabei komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass es für mich unmöglich ist, unsere Hunde im Stich zu lassen. Ebenfalls merke ich, dass die Hunde bei uns keinesfalls „Kinder-Ersatz“ sind, vielmehr sind wir eine Familie aus Tieren und Menschen, mit Regeln, Pflichten und Rechten. Vielleicht mag es dem Einen oder Anderen so vorkommen, als würden wir unsere Hunde verhätscheln, die Wahrheit allerdings ist, wir leben mit unseren Hunden gern zusammen. Wir genießen die Zeit. Was anfangs Pläne für den Alltag waren bevor sie bei uns einzogen wurde zum Lebensinhalt. Auf Familienfesten ziehe ich sicher keinen Anzug an, ich muss doch noch mit den Hunden laufen später. „Bin mal kurz mit den Hunden“ ist für uns wichtiger, als präsent zu sein, als toll auszusehen. Dies sehen wir aber nicht als Bürde an, das ist für uns Alltag geworden, weil wir es so wollten. Denn waren anfangs die Pläne noch einfach und ein wenig naiv, so wissen wir inzwischen wovon wir sprechen. Wir kennen unsere Hunde, wir kennen unseren Alltag. Und wenn wir zum Arzt gehen und sagen wir haben drei Hunde, ich hatte nun fast ein Jahr lang eine Achilles Entzündung, dann heißt es nicht, sie müssen etwas mehr Bewegung haben um so etwas zu vermeiden. Es heißt: „Ein bissl dehnen vorweg und wäre es eventuell möglich ein bißchen weniger zu machen, bis das wieder verheilt ist?“

Unterm Strich habe ich nichts gegen Fernsehsendungen und den damit verbunden medialen Büchern, aber ich sehe sie als Unterhaltung an, nicht als Inhalt zum lernen. Denn auch wenn sicherlich einiges hängen bleiben würde von diesen Sendungen, so brachten mir Bücher von Günther Bloch oder auch Dorit Federsen- Petersen deutlich mehr. Jetzt nach einigen Jahren des Lernens, Beobachtens und Seins als Hundefreund, ist ein Leben ohne für mich nicht mehr vorstellbar. Was letzten Endes der deutlichste Unterschied ist, zwischen denen, die Hunde aus einer Mode heraus angeschafft haben und denen, die ihr Leben dafür umgestellt haben.

Kategorie Meinungen

Hundenarr, Leseratte und Quereinsteiger bei den Aussteigern. Mit offenen Augen durch die Welt gehen, Musik genießen, Musik spielen, mal schauen was da so kommt. Ich hab gern eine Meinung und mag es, wenn Standpunkte sich entwickeln.