Der Hovawart – Ein kleines Portrait (Teil 4)

Jaja, der Hovawart. So ähnlich zu vielen Rassen und trotzdem irgendwie die durchgeknallte Erweiterung. Nichts für Menschen, die kontaktfreudig durch die Welt laufen und meinen Hunde müssten sich untereinander immer begrüßen. Nichts für Menschen, die immer eine saubere Hosen wollen. Nichts für Menschen, die bedingungslosen Gehorsam fordern. Nur was für Menschen, die sich auf einen Hund ganz einlassen können und ihn zum ebenbürtigen Familienmitglied machen können. Nur was für Menschen…

Sie sind verschmust und wild, sie sind triebig und dann auch mal gern taub, sie haben 100% Energie wenn es sein muss, können aber auch gern mal erschöpft zusammenbrechen, sie bellen oder auch nicht, aber wenn immer so, dass es alle mitbekommen. Die Gitarren hier an der wand, klingen oft noch minutenlang nach, nur weil einer hier meinte mal was zu sagen. Manchmal muss man etwas strenger sein, etwas deutlicher werden, oft schüttelt man nur grinsend mit dem Kopf. Man kann sich immer sicher sein, dass sie wirklich alles mitbekommen. Wenn das Familienauto in die Straße einbiegt und noch hunderte Meter weg ist, wissen die Hunde schon, die Familie kommt zurück. Auf Spaziergängen wir den anderen Hunden gern mal klar gemacht, dass es sich hier um die Familie des Hovawarts handelt und Diskussionen weder erwünscht noch geduldet werden. Das Auto kann egal wo stehen, das Gebiet 20m um das Auto herum gehört dem Hovawart, oder waren es 50m? Wer mit einem Hovawart auf dem Hundeplatz steht, weiß eins mit Sicherheit: OB der Befehl ausgeführt wird oder nicht, liegt an zu viel, als dass man es voraus sagen könnte. Ein Hovawart geht seinen Weg, es ist unsere Entscheidung ob man ihn mitgeht, er will uns nicht gefallen, er will nur dabei sein.

Der Trieb eines Hovawartes kann von einschläfernd auf Topleistung innerhalb von Bruchteilen umspringen, wenn man gelernt hat seinen Hund zu lesen, weiß man es immerhin vorher. Verhindern kann man es in den seltensten Fällen. Doch was macht diese Rasse bei dem ganzen Chaos denn so lieb? Eben das, das Chaos, der Spaß der dem Hovawart aus allen Poren quillt, wenn wir auch Spaß haben. Ein Hovawart kann im Nebenraum sein und aussehen als ob er schläft, er weiß ganz genau was Du wann tust. Du kramst zum kochen in den Tüten rum, er wird keine Reaktion zeigen. Raschelst Du aber einmal mit einer Tüte aus der er mal etwas bekommen hat steht er neben Dir. Rein physikalisch kriegst Du das nicht erklärt, sie wiederlegen sogar Albert Einstein. Beim Essen liegen sie ruhig unterm oder neben dem Tisch und sind komplett unkompliziert. Das alles kann man ihnen sehr leicht beibringen und zeigen.

Ist man mal traurig, sind sie sofort da, sie sorgen sehr penetrant dafür, dass man sie knuddelt und streichelt. Schon geht es einem besser. Hat man sich wieder beruhigt, legen sie sich hin und alles ist wieder OK. Also wie müsste man sie bezeichnen?

Sensibel durchgeknallte Wachhunde?

Fest steht, dass die Zahl derer, die meinen sich einen solchen Hund anzuschaffen und dann damit nicht klar kommen steigt. Leider sinkt damit auch der Ruf in den Köpfen der Anderen und das finde ich sehr schade. Diese Rasse ist sehr natürlich, deutlich und man kann sehr viel lernen von ihnen durch eben diese deutliche Mimik und Gestik. Sie knurren miteinander viel und bellen im Spiel mehr, sind aber sehr vorsichtig bei anderen Hunden und sogar mit ganz Kleinen klappt das super. Sie legen sich dann meistens hin und spielen so weit unten wie möglich. Eine tolle Rasse, nicht für Jedermann, aber das ist kein Hund.

Ich hoffe all das hat ein wenig geholfen, ein etwas neues Licht auf diese Rasse zu werfen. Und während ich das hier schreibe liegt unser Rüde schlafen neben mir, während unsere Hündin 3m hinter mir die komplette Couch einnimmt (pssst und unsere Aussie Hündin liegt quasi unter mir, zwischen den Stuhlbeinen). Genießt das Leben mit Euren 4 Beinern!

Kategorie Der Hovawart

Hundenarr, Leseratte und Quereinsteiger bei den Aussteigern. Mit offenen Augen durch die Welt gehen, Musik genießen, Musik spielen, mal schauen was da so kommt. Ich hab gern eine Meinung und mag es, wenn Standpunkte sich entwickeln.