Der Hovawart – Ein kleines Portrait (Teil 1)

Der Hovawart ist der etwas andere Hund. Klar, das würden viele Menschen über ihre ausgesuchte Rasse sagen. Ich meine dies allerdings mehr gültig für die allgemeine Wahrnehmung von Hunden in unserer Gesellschaft. Für Aussenstehende ist diese Rasse schwierig, dickköpfig, anstrengend, ja manchmal sogar nicht sozial kompatibel. Fragt man hingegen Besitzer, dann beginnen diese eher zu schmunzeln und sind sich insgeheim einig, dass nicht jeder mit dieser Rasse umgehen kann.

Vor einigen Jahren schrieb ich schon einmal solch einen Text, aber seit dem hat sich sehr viel geändert. Für diese neue Homepage, schreibe ich diesen Text also neu. Dazu erstmal die Eckdaten:

In meiner Jugend haben wir auf einem Hof mit Schäferhunden gelebt, die Bauern in der Umgebung hatten noch die üblichen Hofhunde, Hunde waren einfach überall anzutreffen. Die Regeln waren eigentlich immer simpel: Kommt ein Hund auf Dich zu, dann ist streicheln angesagt. Nie hinter fremden Hunden herlaufen, lass den Hund entscheiden. Erst 2011 hat bei uns die Lebenssituation nach unseren Vorstellungen gepasst, dass wir beschlossen uns einen Hund zuzulegen. Nach einigem Suchen wurde beschlossen einen Hovawart einziehen zu lassen und es wurde die am 2. Oktober 2011 geborene O’Shira von Arminius. Diese Entscheidung hat unser Leben von Grund auf komplett verändert und ist bis heute der intensivste Part in unserem Leben. Wir hoffen, nie wieder ohne Hund leben zu müssen.

Man hört und lernt und liest über die Jahre sehr viel und da es ein großer Teil des Lebens ist versucht man dies Wissen auszuwerten und auf das eigene Leben anzupassen. Dabei verändern sich enorm viele Dinge. Man startet mit Ideen, aber man ist zu unwissend. Man muss schnell lernen und seine Wünsche anpassen. Mir fehlt dieses Wissen heutzutage, da es selten vermitteln wird. Es gibt die üblichen Sprüche, aber im Grunde selten ausführliche Hinweise, wie das nun werden könnte, mit Hund. Ich suche hierbei nicht nach Schuldigen wie den Züchtern oder die Vereine oder die neuen Hundebesitzern. Vielmehr möchte ich helfen, da man einfach nie an alles denken kann.

Denn jede Hunderasse unterscheidet sich, jeder Hund ist individuell, jeder Hundebesitzer ist einzigartig, das macht es so unglaublich spannend. Grundlegend dazu werde ich getrennt hiervon noch ein bisschen was verfassen, jetzt aber erstmal zum Hovawart 😉

Als O’Shira einzog wussten wir sehr wenig, aus heutiger Sicht eigentlich nichts. Die Züchterin half uns, ihr Wissen ist bis heute ein unschätzbares Gut für mich, dass ich immer noch auswerte und davon lerne. Sie brachte uns in unseren ersten Verein, ein Verein speziell für Hovawarte, da liefen also nur Gleichverrückte rum. Diese füllten unser Wissen zusätzlich auf und berichteten von ihrem Leben mit den Hovis, berichteten von ihrer Zucht oder auch von Erlebnisse der vergangenen Jahre. Es ging nie darum, all das anzunehmen, all das ergab lediglich ein Bild von einer Rasse die sicher nicht für Jeden ist.

Hovawarte sind Wachhunde. Das ist erstmal das Wichtigste, darum geht es. Diesen Begriff sollte man sich erst einmal definieren. Man sollte sich fragen, was man selbst von einem Wachhund erwarten würde. Ich kann jedem sicher vergewissern, ein Hovawart erfüllt zu 100% diesen Anspruch und ist dabei derart effektiv. Hovawart bedeutet grob gesagt der der den Hof bewahrt, der Aufpasser. Er muss dabei unterscheiden zwischen den eigenen Tieren und fremden, er muss unterscheiden zwischen der eigenen Familie und Anderen und er muss die Grenzen des Grundstückes kennen. Wie perfekt dies umgesetzt wird, kennt jeder Hovawart Besitzer, der seinen Hund auch mal alleine im Auto lässt. NIEMAND geht an dieses Auto! Ein eigenes Erlebnis wäre, wir waren Essen mit Verwandten. Hinterher kamen alle dem Auto etwas näher, alle wurden verbellt, wirklich alle außer meine Schwiegereltern, die ja eingeführt wurden als Familie. Aus dieser Traube Menschen, konnte sie aus dem Auto hinaus genau unterscheiden wer wer war und diese zuordnen.

Wachhund bedeutet, Du gehst mit Deinem Hund spazieren und der Hund passt auf Dich auf. Es spielt keine Rolle ob Dir das grad in den Kram passt oder nicht. Kommt Dir nun jemand entgegen beginnt der Hovawart automatisch die Lage zu sondieren. Und eins sei eventuell erwähnt, die Einschätzung eines Hovawartes ist immer inklusive dem eigenen ehrlichen Gefühl, die Wahrheit. Auch wenn wir uns aus reiner Höflichkeit anders verhalten, der Hovawart kennt diese Gepflogenheiten nicht, seine Einschätzung basiert immer auf dem was tatsächlich da ist. Gut Sozialisierte und Erzogene Hovawarte, bzw. Hovawarte die ein gutes Verhältnis aufgebaut haben zum Besitzer, zur Besitzerin handeln dementsprechend. Sie bleiben neben Dir, sind sehr neugierig wenn sich die Stimmung löst, wahren aber Abstand solange die Situation nicht geklärt ist. Hier beginnt schon der Teil, wo der Hovawart nicht für Jeden ist, denn wenn ich als Besitzer diese Rolle nicht spielen kann oder will, dann handelt der Hovawart ohne uns. Er hält das Gegenüber auf Abstand. Sie sind in dieser Situation nicht gefährlich, ihr gesamtes Verhalten ist Defensiv. Sie greifen nicht an oder werden irgendwie zur Gefahr. Das ist in unserer heutigen Zeit allerdings genau das Problem, denn Knurren und das Zeigen der Zähne sind abgestufte deutliche Warnungen. Akzeptiert man als Mensch dies und behält den Abstand ist alles in Ordnung. Durch ihre Größe wird das allen auch sehr schnell klar. Man müsste sich hier fragen, wie sie es sonst machen sollten. Sie haben keine Sprache die wir direkt verstehen würden, sie haben keine Hände und Arme um uns wegzuschubsen, die Option umzudrehen und zu gehen wäre da, aber der Besitzer, die Besitzerin steht da ja nun mal. Und ein Hovawart weicht nicht zurück, eine Lektion die jeder Besitzer lernt. Ist man aber derjenige, der in dieser Rolle aufgeht, dann sind solche Situationen einfach zu händeln, Abstand wahren, die Situation mit normalen Regeln versehen und streicheln nur wenn der Hund das will. Es gibt Hovawarte die sich gern anfassen lassen (wir haben da so einen Rüden…) und es gibt Hovawarte die das überhaupt nicht mögen (wir haben da so eine Hündin…).

Ein kleines Beispiel dazu: Ich saß einmal bei einer Feier draußen, da wo sich heute die Raucher treffen. Ich bin zwar Nichtraucher, wollte aber etwas frische Luft. Ich holte meine Hündin dazu. Sie freute sich tierisch, drückte sich zwischen meine Beine und ließ sich ausgiebig kraulen. Man unterhielt sich. Eine Dame kam aus dem Restaurant, sah den Hund, ging auf mich zu, O’Shira knurrte deutlich für alle hörbar. Die Dame kannte Hovis, blieb stehen und man unterhielt sich weiter, auch über das gerade passierte. Alles war in Ordnung.

Ich hab in den ersten Jahren versucht, so etwas zu unterbinden. Aber ganz ehrlich, es ist vergebliche Liebesmüh. Meine Hovidame ist so, es ist ihr Charakter. Ich habe solche Situationen inzwischen unter Kontrolle bzw. akzeptiere den Kompromiss den ich schließen musste. Und damit das nicht missverstanden wird, ich kann mit meiner Hovidame problemlos durch eine volle Stadt spazieren gehen. Sie knurrt da nicht, läuft freudestrahlend neben mir und lässt die Eindrücke auf sie zufließen. In einem späteren Teil erklär ich noch, wie man solche Situationen löst, dass die Menschen auch den Hovi anfassen können und die Situation locker und gelöst ist. Man kann sich so etwas wie ein Knigge im Umgang zwischen Mensch und Hund vorstellen. Ein paar simple Regeln und man kann Kontakt zu fast jedem Hund aufbauen. Hovawarte bestehen auf die Etikette, und daran ändert ein Besitzer rein gar nichts.

Dies zumindest haben alle Wachhunde gemeinsam und NEIN, ein Schäferhund ist kein reiner Wachhund, auch wenn er diesen Job gut machen kann, er wird nie so umfangreich handeln können wie ein Hovawart. In die seltene Kategorie der Wachhunde fallen auch Rottweiler oder Dobermänner. Die dem Hovawart am ähnlichsten vom Verhalten sind Pinscher (bekannt hier auch als Deutscher Pinscher). Ein Wachhund sollte unbestechlich sein, die obigen Unterscheidungen beherrschen und immer ein offenes Ohr haben. Dabei gibt es Unterschiede im Verhalten. Einige Wachhunde lassen die Person gar nicht erst auf das Grundstück, andere wie der Hovawart lassen Dich teilweise schon drauf aber nicht wieder runter. Allerdings sind Hovawarte unglaublich anpassungsfähig. So kann man ihnen beibringen, das Gäste auf den Hof dürfen und wieder runter wie zum Beispiel bei der Züchterin unserer Hunde, die einen Reiterhof betreibt. Hier werden die Hovawarte allerdings auch vorgestellt und kennen somit die Besucher schnell und können das auch unterscheiden.

Soweit zu der Einführung, viel Text, danke für das Lesen bis hierher. Bald folgt der zweite Teil. Ich hoffe, dass verständlich wird, warum der Hovawart ein bissl umfangreicher zu sehen ist in unserer heutigen Zeit. Ich schreibe das auch, weil soweit mir bekannt inzwischen zwei Schweizer Kantone den Hovawart auf der Liste haben und viele Vorurteile existieren. In den folgenden Teilen werde ich mich bemühen andere völlig natürliche Verhaltensweisen des Hovawartes zu erklären und zu beschreiben. Diese Texte dürfen natürlich gern geteilt und rumgereicht werden. Verlinkt einfach die Adresse, die Texte bleiben kostenfrei!